Phenprocoumon und Tilidin: Interaktion und INR-Anstieg
Hintergrund
Die Drug Safety Mail der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) aus dem Jahr 2017 thematisiert eine potenziell gefährliche Wechselwirkung. Es wird auf eine Interaktion zwischen dem Vitamin-K-Antagonisten Phenprocoumon und dem Opioid-Analgetikum Tilidin/Naloxon hingewiesen.
Anlass der Warnung ist ein Fallbericht einer 78-jährigen Patientin. Nach der Neuverordnung von Tilidin/Naloxon kam es unter einer bestehenden Phenprocoumon-Dauertherapie zu einem deutlichen Anstieg der INR (International Normalized Ratio) von 2,2 auf bis zu 5,0.
Als möglicher Mechanismus wird eine Hemmung des Cytochrom-P450-Isoenzyms 3A4 (CYP3A4) durch Tilidin diskutiert. Phenprocoumon wird in relevantem Ausmaß über dieses Enzym metabolisiert, wodurch ein verlangsamter Abbau den gerinnungshemmenden Effekt verstärken könnte.
💡Praxis-Tipp
Ein plötzlicher, unerklärlicher Anstieg der INR bei stabil eingestellten Phenprocoumon-Therapien kann durch eine neu angesetzte Schmerztherapie mit Tilidin/Naloxon bedingt sein. Es wird empfohlen, bei jeder Änderung der Schmerzmedikation aktiv an mögliche CYP3A4-vermittelte Interaktionen zu denken und die Gerinnungswerte proaktiv zu kontrollieren.
Häufig gestellte Fragen
Phenprocoumon wird maßgeblich über das Enzym CYP3A4 abgebaut. Laut der AkdÄ-Warnung wird vermutet, dass Tilidin dieses Enzym hemmt, was zu einem verzögerten Abbau und damit zu einer verstärkten Gerinnungshemmung führt.
Es wird eine engmaschige Kontrolle der INR sowohl bei Beginn als auch bei Beendigung der Tilidin-Gabe empfohlen. Auch bei Dosisänderungen des Opioids sollte die Gerinnung engmaschig überprüft werden.
Die Kombination ist nicht strikt kontraindiziert. Es wird jedoch eine strenge Überwachung der Gerinnungswerte und eine gegebenenfalls notwendige Dosisanpassung von Phenprocoumon empfohlen.
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Quelle: AkdÄ: Interaktion zwischen Phenprocoumon und Tilidin. Anhand (AkdÄ, 2017). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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