Polytrauma: Prähospitale Versorgung und Analgesie
Hintergrund
Die S3-Leitlinie der DGOOC zur Polytrauma- und Schwerverletzten-Behandlung definiert evidenzbasierte Standards für die prähospitale und innerklinische Notfallversorgung. Unkontrollierte Blutungen und schwere Schädel-Hirn-Traumata (SHT) stellen die häufigsten Todesursachen in der Frühphase dar.
Ein zentrales Ziel der Erstversorgung ist die Vermeidung der letalen Trias aus Hypothermie, Azidose und Koagulopathie. Die Leitlinie fokussiert sich auf eine schnelle Blutungskontrolle, ein adäquates Atemwegsmanagement sowie eine zielgerichtete Volumentherapie.
Zudem wird die Wichtigkeit standardisierter Algorithmen wie des xABCDE-Schemas betont. Eine strukturierte und zügige prähospitale Versorgung hat einen direkten Einfluss auf das Überleben und das funktionelle Outcome der Verletzten.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass bei der Intubation von Traumapatienten grundsätzlich mit einem schwierigen Atemweg gerechnet werden soll. Es wird dringend empfohlen, alternative Methoden zur Atemwegssicherung (wie Larynxtuben oder Larynxmasken) sowie einen Führungsstab (Bougie) stets bereitzuhalten. Zudem wird darauf hingewiesen, dass nach mehr als zwei erfolglosen Intubationsversuchen zwingend auf alternative Beatmungsmethoden gewechselt werden sollte, um schwere hypoxische Schäden zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt die Anlage eines Tourniquets, wenn eine lebensgefährliche Blutung an den Extremitäten durch manuelle Kompression oder Druckverbände nicht zeitgerecht gestoppt werden kann. Es stellt die letzte Stufe der Eskalation zur Blutungskontrolle dar.
Bei unkontrollierten Blutungen wird eine permissive Hypotension mit einem systolischen Wert von etwa 80 mmHg (MAP ~65 mmHg) empfohlen. Liegt jedoch ein schweres Schädel-Hirn-Trauma vor, sollte eine Normotension mit einem systolischen Blutdruck von mindestens 90 mmHg angestrebt werden.
Zur Analgesie des spontanatmenden Schwerverletzten weisen Fentanyl, Ketamin und Morphin eine vergleichbare Effektivität auf. Die Applikation soll bevorzugt intravenös erfolgen, wobei als Zielwert ein Schmerzniveau von ≤ 4 auf der Numeric Rating Scale (NRS) angestrebt wird.
Es wird eine sofortige Entlastung durch eine Nadeldekompression oder eine Minithorakotomie empfohlen. Nach einer erfolgreichen Nadeldekompression sollte laut Leitlinie baldmöglichst eine chirurgische Eröffnung des Pleuraspaltes erfolgen.
Bei einem manifesten oder drohenden hämorrhagischen Schock wird die zügige Gabe von 1 g Tranexamsäure als Bolus über 10 Minuten empfohlen. Die Verabreichung sollte möglichst frühzeitig, idealerweise innerhalb der ersten drei Stunden nach dem Trauma, erfolgen.
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Quelle: DGOOC: Polytrauma / Schwerverletzten-Behandlung (DGOOC, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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