Delir auf Intensivstation (ITS): Medikamentöse Therapie
Hintergrund
Ein Delir ist eine akute, meist reversible kognitive Störung. Auf der Intensivstation ist das Auftreten eines Delirs mit schwerwiegenden negativen Auswirkungen auf die kurz- und langfristigen klinischen Ergebnisse von kritisch kranken Erwachsenen verbunden.
Aufgrund dieser negativen Folgen wurden in der Vergangenheit verschiedene medikamentöse Interventionen in klinischen Studien untersucht. Dennoch besteht weiterhin eine erhebliche Unsicherheit hinsichtlich des relativen Nutzens und der Sicherheit der verfügbaren pharmakologischen Therapien für diese Patientengruppe.
Diese Zusammenfassung basiert auf dem Abstract eines Cochrane Reviews aus dem Jahr 2019. Die Autoren führten eine Netzwerk-Metaanalyse durch, um die Effekte verschiedener Wirkstoffklassen auf die Delirdauer und andere klinische Endpunkte zu vergleichen.
💡Praxis-Tipp
Laut dem Review ist beim Einsatz von Cholinesterase-Hemmern wie Rivastigmin zur Delirtherapie Vorsicht geboten, da diese mit einer verlängerten Liegedauer auf der Intensivstation assoziiert sind. Hingegen weisen Alpha-2-Agonisten wie Dexmedetomidin die günstigsten Daten bezüglich einer Verkürzung der Delirdauer und der Beatmungszeit auf.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review zeigt der Alpha-2-Agonist Dexmedetomidin den stärksten Effekt zur Verkürzung der Delirdauer. Die Evidenzqualität hierfür wird als moderat eingestuft.
Die Metaanalyse ordnet typische Antipsychotika bezüglich der Verkürzung der Delirdauer nur an vierter Stelle ein. Die Evidenzqualität für dieses Ergebnis ist jedoch hoch.
In den untersuchten Studien zeigten sich keine signifikanten Unterschiede bezüglich einer QTc-Zeit-Verlängerung. Dies galt für den Vergleich von Antipsychotika, Ondansetron und Dexmedetomidin mit Placebo.
Der Review zeigt, dass der Cholinesterase-Hemmer Rivastigmin mit einer verlängerten Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation assoziiert ist. Ein positiver Effekt auf die Delirdauer konnte nicht nachgewiesen werden.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Cochrane Review: Pharmacological interventions for the treatment of delirium in critically ill adults (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Cochrane Review: Drug therapy for delirium in terminally ill adults
Cochrane Review: Interventions for preventing delirium in older people in institutional long-term care
Cochrane Review: Benzodiazepines for treatment of patients with delirium excluding those who are cared for in an intensive care unit
Cochrane Review: Exercise therapy for the treatment of delirium in the intensive care unit
Cochrane Review: Non-pharmacological interventions for preventing delirium in hospitalised non-ICU patients
StatPearls: ICU Delirium
Cochrane Review: Antipsychotics for agitation and psychosis in people with Alzheimer's disease and vascular dementia
Cochrane Review: Pharmacotherapies for sleep disturbances in dementia
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen